








|
Mit dem Titel „Euphorismen der Reflexionszonenmassage“ wird ein Werk vorgestellt, in welchem die für unser Körpertraining propagierten Fitneß-Methoden als eine Art Hirntraining auf unser Denken übertragen werden. Der Leser wird mit Worten konfrontiert, deren subjektiv-übliche Bedeutungen sich auflösen („Man kann sich von allem lossagen, nur nicht von seinem Los.“), oder mit gewitzt-tiefgründigen und gewagt-leichtsinnigen – in des Wortes bester Bedeutung – Gedankensplittern, deren Aussagen von den gewohnten Denkbahnen abweichen („Wer mit dem Holismus nichts anfangen kann, muß nicht dem Alkoholismus verfallen.“). Der Autor wünscht sich wohl vom Leser, daß er im Anschluß an das Durchkneten bzw. Massieren vertrauter Denkgewohnheiten einen trainierten beweglich-agilen Denkzustand entwickeln kann, um euphorisch-schwebend die Unebenheiten und Ungereimtheiten unserer Zeit wahrzunehmen und auch damit besser umgehen zu können. Mit den präzis-knappen Formulierungen und den dazu passenden Bildern sind die vorliegenden A- oder Euphorismen ein Potpourri von Einfällen; sie sind der Leserin / dem Leser zu empfehlen, die auf erhöhte Lese- und Denkaktivität Wert legen.
Dr. Ursula Tittor, Würzburg


Hans Schwäble ist ein hochbegabter, ebenso zeitkritischer wie sensibler Autor, der mit seinen "Euphorismen" der komplexen Lebenswelt der Gegenwart auf die Spur zu kommen sucht und den Leser durch die dabei aufblitzenden Einsichten im doppelten Sinn des Wortes für sich einnimmt.
Prof. Dr. Dr. Eugen Biser, München


Max Frisch hat einmal in seinem Tagebuch ein bissiges Wort über das Verfassen von Aphorismen eingetragen: "Wer Aphoristik macht, ohne daß wir sein Leben kennen, gibt nichts als die obersten Blumenköpfe, so wie Kinder sie rupfen, keine Wurzeln daran, welche die Blüten nähren, keine Erde dazu, und die bunten Blumenköpfe bleiben eine Verblüffung, die bald verdorrt." - Nun, wer sich häufiger mit Aphorismen befaßt, wird zugeben, daß diese Auffassung nicht ganz falsch ist. Da steht ein knapp formulierter Gedanke, manchmal in der Nähe eines Wortwitzes, manchmal den Kalauer berührend, aber wir kennen nicht das Umfeld, wissen nicht, wie der zugespitzte Einfall zustande kam. - Und trotzdem hat natürlich der Aphorismus seine Existenzberechtigung, wenn er intelligent daherkommt, wenn er mit der Sprache spielen kann und uns - vielleicht zur eigenen Überraschung - einen neuen Blickwinkel verrät, einen Zugriff zu einem Sachverhalt vermittelt, auf den wir aus eigener Überlegung nicht gekommen wären. Aphorismen haben Spielcharakter, das Spielmaterial ist die Sprache. Denken wir daran, daß unsere vertrauten Worte ihre Mehrdeutigkeit haben, daß durch Wortverbindungen plötzlich eine ganz andere Sinnschicht erkennbar wird. Die Aphorismen Jean Weselbachs leben von diesem Vexierspiel. Wer hat schon daran gedacht, unser Wort 'Mut' in eine Beziehung zu setzen zu 'Anmut' oder gar 'Zumutung', daß man unser schwerblütiges 'Schicksal' mit dem leichtsinnigen 'Geschick' in Verbindung bringen könnte. Und die klangverwandten Worte locken geradezu heraus, ein Verblüffungsspiel damit zu treiben: Wer mit 'Gerüchten' operiert, sitzt auf einem fragwürdigen Richterstuhl. Anspruch und Widerspruch, angesprochen werden und etwas ansprechend finden... Es sind eigentlich keine Thesen, die uns angeboten werden, noch weniger dogmatische Lehrsätze, die akzeptiert werden sollten: wir haben es mit Gedankensplittern zu tun, die uns durch ihre originelle Formulierung zum Aufmerken bringen, unsere Gedanken beschäftigen, vielleicht auch den Widerspruch heraufrufen, uns vielleicht eine Weile begleiten. Und wenn auch eine Spur Aufmüpfigkeit dabei ist, ein Denken gegen die Schablone und den üblichen eingespurten Bahnen entgegenwirkend, dann hat ein Aphorismus seinen Sinn.
Prof. Dr. Otto Betz, Passau
|