






|
Logosophie – schon wieder oder noch eine neue Philosophie?? Ein klares Ja, und das aus gutem Grund.
In einer Zeit, die von Oberflächlichkeit, offener und verdeckter Aggressivität, Nivellierung und Niveauverlust geprägt ist, in der Beziehungen – in jeder Beziehung – zerstört am Boden liegen, wo sich ein Bogen von der Rastlosigkeit zur Ratlosigkeit spannt, wird es schwer, sich nicht dem Trend zu unterwerfen. Genau hier setzt die Logosophie an. Sie will die positiven Gegenkräfte im Menschen wecken, ihnen zum Durchbruch verhelfen, ihn sozusagen zu seinem eigenen Trendsetter machen. Logosophie meint in etwa „Wort (und Sinn) der Weisheit“ (griech. logos = Wort, Begriff, Rede, Sinn; -sophie: Weisheit).
Die Logosophie geht zum einen von der Tatsache aus, daß wir immer schon irgendwie gestimmt sind – positiv oder negativ, zum anderen davon, daß die Stimmung die Stimme der Situation, d. h. Ausdruck der jeweiligen konkreten Befindlichkeit ist. Ob diese wirklich vernunftbestimmt ist, gilt es zu erhellen. Geht es, um es populärer auszudrücken, also etwa um eine neue Fun- oder Glücksphilosophie? Nein. Eher trifft das Gegenteil zu. Denn der Stimmungsfaktor geht dem Fun-Faktor voraus: unsere Aktivitäten und Erfolge (im weitesten Sinn) hängen in hohem Maße von unseren Stimmungen ab.
In den anvisierten logosophischen Gesprächen geht es deshalb darum, das Bewußtsein für die jeweilige eigene Stimmung zu schärfen sowie für das, was daraus (er)folgt oder erwächst an Aktion oder Reaktion auf non-verbaler, vor allem aber auf verbaler Ebene. Stimmung und Sprache bilden immer eine Einheit, e i n e Struktur. Der Plattenspieler mag hier als Modell zur Verdeutlichung dienen. Zu ihm gehört der Tonträger und der Tonabnehmer – was herauskommen soll, ist ein Hifi-Klang. Nun macht bekanntlich der Ton die Musik. Unsere Stimme fungiert in diesem Bild (und im übrigen auch in der Wirklichkeit) als Tonträger, unsere Sprache als Tonabnehmer. Um sozusagen den optimalen Synthesizer-Effekt zu erzielen, kommt es nun entscheidend darauf an, beides im wahrsten Sinn des Wortes in Einklang zu bringen. Durch Selbstwahrnehmung und -kontrolle - in Verbindung mit der Beobachtung des eigenen Gestimmtseins bzw. der Änderung der Sprache (Tuning) - entsteht die Möglichkeit, ein neues Alltagsbewußtsein und –feeling in jedweder Situation zu entwickeln. Genauer gesagt: Es geht um ein deutlicheres Präsenzgefühl („presence d’esprit“), um in einer bestimmten Situation aus Gelassenheit reagibel zu werden und den anderen – mit Humor und Charme überraschend – entwaffnen zu können. Notabene kann auf Dauer ein nicht zu unterschätzender „Energiespareffekt“ eintreten, wenn es nämlich zu einer Neudisponierung der eigenen Ressourcen kommt, die wiederum die Möglichkeit eines „stop and flow“ schafft. Stimmung und Sprache stimmen sich so aufeinander ein, dass sie sozusagen Musik werden. Das Lebensniveau steigt, es steigert sich zu Hifi-Qualität.
Die Folge ist ferner, dass Gefühle (verstanden als Koordinaten im Stimmungs„system“) in ihrer Deutlichkeit zunehmen. So gilt am Ende: Nicht mehr Stimmungen bemächtigen sich Ihrer, sondern Sie bemächtigen sich der Stimmungen. Sie werden Meister der Stimmung. Dann bestimmt nicht mehr so sehr die Stimmung die Sprache, sondern vielmehr die Sprache die Stimmung. So erfüllt sich das Grundaxiom der Logosophie: Nicht das Sein bestimmt die Sprache, sondern die Sprache bestimmt das Sein.
|